PRESSEMITTEILUNG
Stadt Neuss setzt auf Zukunftsmodell „Urban Mining“
SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragen Konzept zum zirkulären Bauen.
Die Ratsfraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bringen in der kommenden Stadtratssitzung einen gemeinsamen, grundlegender Antrag zum zirkulären Bauen in Neuss ein. Das umfassende Maßnahmenpaket sieht vor, dass sich die Stadt Neuss aktiv einer Baustoffbörse anschließt, erste Bauvorhaben zum zirkulären Bauen umsetzt und daraus verbindliche Standards für kommunale Bauprojekte entwickelt.
„Mit diesem Beschluss geht Neuss einen bedeutenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen Baukultur, bei der das Ende eines Gebäudes bereits beim Bau mitgedacht wird“, erklärt Roland Kehl, baupolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion. Er ergänzt: „Unser Ziel ist es, urbane Rohstoffe systematisch zu erschließen und weiterzuverwenden, um sowohl natürliche Ressourcen zu schonen als auch den CO₂-Ausstoß im Bausektor erheblich zu reduzieren.“
Konkret wird die Stadtverwaltung beauftragt, sich bis Ende 2025 bei einer etablierten Baustoffbörse anzumelden, vorhandene Projekte zur Wiederverwendung von Baumaterialien zu unterstützen und die Einrichtung eines eigenen Materiallagers zu prüfen. Zudem sollen bis zum ersten Quartal 2026 Standards in der Energie- und Bauleitlinie für kommunale Bauvorhaben entwickelt werden, die die anteilige Verwendung von recyceltem und wiederverwendbarem Material vorschreiben. Ab dem dritten Quartal 2026 sollen diese Standards auch in städtebaulichen Verträgen und Bebauungsplänen verankert werden.
„Zirkulären Bauen ist die konsequente Fortsetzung des Ratsbeschlusses aus 2021 zum Thema „Nachhaltiges Bauen in der Stadt Neuss“, damit ist Neuss auf einen guten Weg“, sagt Daniel Handel als baupolitischer Sprecher der SPD.
„In unseren Städten liegen buchstäblich Schätze verborgen“, sagte Bettina Weiß als Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN. Sie ergänzt: „Die in Gebäuden und Infrastrukturen gebundenen Sekundärrohstoffe sind von unschätzbarem Wert – nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch.“ Urban Mining ermöglicht es, Materialkreisläufe zu schließen und gleichzeitig den steigenden Preisen bei Rohstoffen entgegenzuwirken.
Mit diesem gemeinsamen Vorstoß positionieren sich Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN als Unterstützer einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung. Neuss reiht sich damit in die Vorreiterrolle neben Städten wie Heidelberg ein, die sich als erste Stadt Europas dem Urban Mining-Prinzip verschrieben haben. „Durch solche Maßnahmen unterstützen wir das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, und leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der natürlichen Ressourcen für kommende Generationen“, sagt Sascha Karbowiak als Fraktionsvorsitzender der SPD.
Hintergrundinformation: Der Begriff „Urban Mining“ bezeichnet die systematische Erschließung und Wiederverwendung von Sekundärrohstoffen, die in städtischen Strukturen gebunden sind. Durch gezielte Erfassung und Wiederverwendung dieser Materialien können nicht nur natürliche Ressourcen geschont, sondern auch erhebliche Mengen an CO₂ eingespart werden, die bei der Produktion neuer Baumaterialien entstehen würden.
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